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Ausstellung

Der Heringsfänger ging einem saisonalen Beruf nach. Über das Jahr gesehen, war er ein knappes halbes Jahr in der Heimat und ein reichliches halbes Jahr auf See. Das Leben zwischen Binnen und Buten wird im Heringsfängermuseum im Haupthaus und in drei Fachwerkhäusern anhand von gegenständlichen Objekten und historischen Exponaten gezeigt.

Im Haupthaus wird die harte Arbeit des Heringsfangs, unterstützt von einem Videofilm, gezeigt. Der Ablauf einer Fangreise wird in 12 Ausstellungssegmenten so dargestellt, als wäre der Besucher mitten im Geschehen. Das Fangen des Herings, das Kehlen (Schlachten) und das Salzen werden realitätsecht nachempfunden. Ist der Hering an Bord des Loggers geholt, unterliegt er dem Verderb, wie jeder andere frische Fang. Beim Kehlen schneidet der Heringsfänger mit dem Kaakmesser den Hering unter dem Maul auf und entnimmt ihm Herz, Kiemen und die oberen Eingeweide. Anschließend wird der Hering gesalzen und in Holzfässer/Kantjes gespeichert. Nach dieser Methode kann der Hering länger aufbewahrt und leicht transportiert werden. Das Kehlen der Heringe auf See ist keine gemütliche Arbeit. Immerhin hatten die Besatzungsmitglieder auf deutschen Loggern in der Minute 40 bis 60 Heringe zu kehlen, um den Tagesfang schnell zu konservieren.
Die unterschiedlichen Logger und Fangmethoden geben Auskunft über Veränderungen des Arbeitsplatzes „Heringsfan“.

Im Heringsfängerland fuhren aus fast jeder Familie ein oder mehrere Familienmitglieder zur See. Mehr als 500 heimische Heringsfänger und 54 Logger kamen von einer Fangreise nicht zurück. Diese Katastrophen auf See werden in einer neuen Abteilung gezeigt. Zur Unterstützung der Betroffenen wurden in den Heringsfängerdörfern Seemannsvereine gegründet, die auch finanziell über die ersten Hürden nach dem Seemannstod Hilfe leisteten. Auch die Tradition der Seemannsvereine wird im Museum weiter gegeben und durch Traditionsfahnen im Treppenhaus festgehalten.

Im Heimser Haus werden die Prototypen der Trachtengebiete des Heringsfängerlandes gezeigt: Trachten aus Nordwestfalen, Südwesthannover und Schaumburg.
Bis zum ersten Weltkrieg fuhren die Heringsfänger zwischen den Fangreisen, 72 Stunden Liegezeit im Hafen, wegen der ungünstigen Verkehrverbindungen selten nach Hause. Die Frauen reisten zur Küste in die Standorte der Loggerfischerei, um ihre Männer zu besuchen und wurden wegen der farbigen Tracht verallgemeinernd die „Bückeburgerinnen“ genannt.

Das Meßlinger Haus zeigt Handwerke, die der Heringsfänger betrieb, wenn er an Land war. Heringsfänger können als handwerkliche Allrounder bezeichnet werden. Nicht wenige arbeiteten in mehreren Berufen, wie Hausschlachter, Stuhlflechter, Korbflechter, Spinnrad- und Holzschuhmacher, bis zum 1. Weltkrieg auch als Leineweber. Oft übten sie den Beruf des Schuhmachers aus oder halfen im Zimmereigewerbe.

Im Friller Haus stellen sich die Heringsfänger in ihren kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zu ihrer Heimat vor. Eine Ausstellung von Porzellan und Leinen vermittelt den häuslichen Lebensstandard. Einblicke in den Wohnbereich, gegliedert nach Schlafgemach, Guter Stube und Küche mit abschließendem Wirtschaftsteil werden aus der Zeit von 1895 bis 1910 gewährt.